Presse PDF  | Drucken |

LOKALMELDUNGEN - NEUMARKT UND UMLAND

Nächtlicher Terror im Schlafzimmer

Schnarchen gefährdet den Ehefrieden und kann auch gesundheitsschädlich sein

Nächtlicher Terror im Schlafzimmer
Foto: Etzold
Bitte Bild anklicken!

 

Peter Rogalls Ehefrau hat nachts endlich ihre Ruhe. Nach jahrelangem Schnarch-Terror hat sich ihr Ehemann untersuchen lassen und trägt seitdem zum Schlafen eine Maske. Sein Schnarchproblem ist zudem gefährlich, weil sein Atem ohne Hilfsmittel zu lange aussetzt.

NEUMARKT - »Seit wie vielen Jahren ich schnarche, kann ich nicht sagen. Ich selbst habe gut geschlafen«, berichtet Peter Rogall. Er ist 47 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Neumarkt. Doch seine Frau und seine drei Kinder haben sein lautes Schnarchen hautnah miterlebt. »Meine Kinder haben mich mehrmals mit dem Handy aufgenommen und mir das vorgespielt.«

Am meisten aber störten die Geräusche seine Frau. Diese machte sich auch Sorgen, weil sie bemerkte, wie ihr Mann im Schlaf oft das Atmen vergaß. Bis zu einer halben Minute holte Rogall keine Luft. »Ihren Appell, mich zum Arzt zu begeben, ignorierte ich einfach. Ich hielt es für harmlos.«

Aber dann kam der Tag, an dem sie ihn aus dem gemeinsamen Schlafzimmer verwies.

 

Rogall: »Zuerst schleppte sie mich zum HNO-Arzt.« Anatomisch war bei dem Justizbeamten am Amtsgericht in Neumarkt alles in Ordnung. Der HNO-Arzt verwies ihn daraufhin zu einem Lungenfacharzt. Dieser checkte die Lunge und verordnete ihm ein Gerät, dass er nachts tragen musste. Dieses schnallte er sich um die Brust und es zeichnete seinen Atemstrom an Mund und Nase auf.

Das Ergebnis: Rogall wird nachts nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Diese Unterversorgung führt zu den Atempausen und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Bluthochdruck. Der Familienvater leidet an einer schweren Schlafapnoe. Um den Atemstillstand in den Griff zu bekommen, ist er in ein Schlaflabor gegangen. Dort wurde ihm eine Atemmaske angepasst, die ihn nachts mit Sauerstoff versorgt. »Die Maske ist eigentlich gar nicht so schlimm wie ich dachte. Ich trage sie seitdem jede Nacht«.

Dr. Gerd Ebert, Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Neumarkt bestätigt: Es gibt zwei Arten von Schnarchern. So genannte »Krawallmacher«, die unter dem harmlosen Schnarchen leiden und die Schlafapnoetiker. »Die erste Form hat meist anatomische Ursachen, und trifft Männer häufiger als Frauen. Auch Übergewicht kann dieses Schnarchen bewirken.« Alkohol oder Beruhigungsmittel gelten ebenfalls als Schnarchverstärker, weil sie die Gaumenmuskulatur lähmen.

Insgesamt berichtet der Arzt von fünf bis sechs Betroffenen, die in der Woche bei ihm wegen des Schnarchproblems vorbeikommen.

Nicht immer sei eine Maske die Lösung, manchmal helfe auch eine Operation. Von Nasenzwickern und sonstigen Gerätschaften rät er ab, »ein zweifelhafter Erfolg«, meint Ebert. Sinnvoll sei es, »wenn ein Lungenfacharzt sich den Patienten anschaut.« Eine OP, die bei der einfachen Form von Schnarchern helfen kann, könne auch mit der Mandelentfernung kombiniert werden. Dr. Ebert: »Das dauert etwa eine Stunde und ist ein geringer Eingriff.«

Manchmal sei es auch nur eine krumme Nasenscheidewand, die Geräusche herbeiführt, weil sie dauernd verstopft ist. »Für jeden Patienten kann eine Lösung gefunden werden«, ist sich der Arzt sicher.

Peter Rogall benutzt seine Maske schon seit fast zwei Jahren und geht offensiv mit seinem Krankheitsbild um: »Im Internet habe ich eine Seite, dort erzähle ich meine Geschichte. Noch immer bekomme ich E-Mails aus ganz Deutschland von Betroffenen.« Denen konnte er mit seinen Erfahrungen weiterhelfen. »Und das beste ist, fügt Rogall hinzu »dass ich nun wieder ins heimische Schlafzimmer einziehen durfte«. sk

7.7.2010
Mehr vom aktuellen Tagesgeschehen lesen Sie in Ihrer Zeitung. Jetzt abonnieren Link auf ein externes Angebot
© NORDBAYERN.DE